Rückblick Pfarrverbandsfahrt nach Berlin 2026
Auf der Suche nach dem Glauben von morgen: Pfarrverband Postbauer-Heng, Pyrbaum und Seligenporten auf Inspirationstour in Berlin
Wie lässt sich Kirche heute lebendig gestalten, wenn traditionelle Strukturen im Wandel sind? Um auf diese Frage Antworten zu finden, machte sich eine gut 30-köpfige Gruppe des Pfarrverbands Postbauer-Heng, Pyrbaum und Seligenporten gemeinsam mit Pfarrer Markus Fiedler und dem neuen Pfarrvikar Patrick Zachmeier auf den Weg nach Berlin. Drei Tage lang erkundeten die Oberpfälzer, wie Glaube und karikative Arbeit in einer von Säkularisierung geprägten Großstadt gelebt werden.
Ein zentrales Anliegen der Exkursion war es, soziale und caritative Themen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Wie kreativ Seelsorge in der Großstadt gedacht werden kann, zeigte der eindrucksvolle Austausch mit der Berliner City-Seelsorgerin Carla Böhnstedt. Sie stellte unter anderem das innovative Projekt „Kiosk der Kostbarkeiten“ vor: Auf Friedhöfen aufgestellte, leuchtend goldene Automaten bieten Trauernden niederschwellige Hilfen und kleine Impulsboxen für die Seele – ein berührendes Beispiel dafür, wie Trost direkt im Alltag spürbar werden kann.
Auch die Frage, wie mit entweihten oder umgenutzten Kirchen umgegangen wird, bewegte die Reisegruppe. Bei Besuchen von Orten wie der Kulturkirche St. Matthäus oder einer ehemaligen Kirche, die heute als Kunstgalerie dient, wurde sichtbar, dass sakrale Räume auch nach ihrer Entwidmung weiter als Orte der Begegnung, Besinnung und Kunst wirken können.
Ergänzt wurde das dichte Programm durch Begegnungen im ökumenischen und interreligiösen Kontext, wie einer Visite bei den Baptisten in Charlottenburg und Einblicken in das jüdische Leben in Berlin im Jüdischen Museum. Ein Besuch des Katholischen Büros, das Kontakt zur hohen Bundepolitik hält, Besuch der von James Tirrell gestalteten Lichtinstallation auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. Dass Nächstenliebe auch durch den Magen geht, erlebte die Gruppe beim gemeinsamen Abendessen im „Kreuzberger Himmel“ – einem Gastronomieprojekt, das von einem geflüchteten, multireligiösen Team geführt wird und gelebte Integration zeigt.
Nach einem gemeinsamen Gottesdienst mit der Pfarrei St. Canisius bei dem eine wunderbare Willkommenskultur erlebbar wurde, kehrte die Reisegruppe mit vielen frischen Ideen, wertvollen Impulsen und einem gestärkten Gemeinschaftsgefühl zurück in die Heimat. Die Hauptstadt hat gezeigt: Kirche kann auch abseits bekannter Pfade neue, inspirierende Wege gehen.
Thomas Distler
